Final Six 2020 in Turin (Italien): Jetzt sprechen die Mütter der Superstars!

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Text: Oliver Dütschler, 25.10.2020

Fotos: Nicole Guerreiro

TURIN (Italien) – Die FINAL SIX der Serie A und A2 in der Rhythmischen Gymnastik im Sportpalast Gianni Asti wurden trotz geschlossenen Türen (Corona-Pandemie) zum grossen Spektakel. Die beiden RG Superstars Milena Baldassarri (Fabriano) und Alexandra Agiurgiuculese (Udinese) drückten dem Event den Stempel auf. SwissRG hat exklusiv mit ihren Müttern gesprochen.

 

Vorneweg muss dem Veranstalter Eurogymnica Torino ein grosses Kompliment ausgesprochen werden. Es ist eine grosse Geste sämtlichen Gymnastinnen und dem Sport Rhythmischer Gymnastik gegenüber, dass man – trotz immer stärkeren Einschränkungen wegen der Corona Pandemie – daran festhielt, diesen fantastischen Anlass (mit einem überzeugenden Schutzkonzept) auf die Beine zu stellen. Marco Napoli (Eurogymnica Torino): „Normalerweise haben wir ungefähr 400 Mitglieder in unserem Verein. Seit der Corona Pandemie sind es vermutlich noch knapp die Hälfte...“ Auch Donatella Lazzeri (Ginnastica Motto Viareggio) bestätigte den grossen Mitgliederschwund während dieser Pandemie. Und Napoli weiter: „ Die totalen Kosten des Anlasses belaufen sich auf 30.000 bis 40.000 Euro. Der italienische Turnverband hat enorm viel geholfen, so waren auch im Fernsehen nur seine Sponsoren eingeblendet. Aufgrund der fehlenden Ticketeinnahmen wäre ein solcher Anlass ansonsten finanziell nicht zu stemmen.“

 

Der Präsident Gherardo Tecchi unterstrich mit seiner persönlichen Anwesenheit eindrücklich, dass der italienische Turnverband gerade in dieser schwierigen Zeit Seite an Seite mit und zu der Basis steht. Und die technische Verbandsdirektorin der Rhythmischen Gymnastik, Emanuela Maccharani, steht wie ein Bollwerk hinter den Gymnastinnen und dieser wunderschönen Sportart. Innerhalb der letzten drei Wochen haben mehrere tolle Wettkämpfe stattgefunden (Serie A/A2/B und Länderkampf Italien-Deutschland in Desio, FINAL SIX Serie A/A2 in Turin), dazu folgen nächste Woche noch die mit Spannung erwarteten italienischen Meisterschaften in Trento und in der Folgewoche ist ein Vergleichswettkampf zwischen Italien, der Türkei und Israel ebenfalls in Trento angedacht.

 

Die Choreographin des Serie A Meisters Faber Ginnastica Fabriano, Biliana Diakova, betonte wie wichtig solche Wettkämpfe auch gerade in der aktuellen Zeit sind. „Allen Beteiligten fehlt die  Zuschaueratmosphäre in der Halle, das ist hart. Auch die Kommunikation wird durch die Maske erschwert – da ist es für die Gymnastinnen und alle Beteiligten umso wichtiger, dass solche Wettkämpfe stattfinden, damit sie im Rhythmus bleiben.“   

 

Am Rande: Auf der Tribüne war auch Moreno Buccianti, Ehemann von Emanuela Maccherani, elegant gekleidet zugegen. Buccianti ist nicht nur ein reputierter Promoter für toskanische Weine, sondern auch ein hervorragender Kenner der Fussball- und RG-Szene. Er hat sich mit dem Projekt der Seleçao Sacerdoti Calcio (Fussball-Nationalmannschaft der Priester) weit über die Grenzen einen hervorragden Ruf gemacht. So trat Buccianti bereits beim Papst Franziskus und beim Festival in San Remo auf.

 

Superstars Baldassarri und Agiurgiuculese

 

Die Serie A wurde erneut von Fabriano (mit Milena Baldassarri, Sofia Raffaeli und Talisa Torretti), vor Udinese (mit Alexandra Agiurgiuculese, Tara Dragas, Isabelle Tavano) und Viareggio (mit Chiara Puosi, Sofia Sicignano, Linda Viani, Chiara Vignolini) gewonnen. Alle Gymnastinnen gingen an ihre Leistungsgrenze und waren bemüht die bestmögliche sportliche Leistung auf den Teppich zu zaubern. Herausragend waren einmal mehr die angehenden Olympia-Teilnehmerinnen in Tokio 2021 Milena Baldassarri und Alexandra Agiurgiuculese, die auch bei der anstehenden Europameisterschaft in Kiev (Ukraine) zum Kreis der Topfavoritinnen zählen. Die beiden Gymnastinnen verbindet eine enge Freundschaft und trotzdem ist ihre Biographie völlig verschieden. Im Rahmen der FINAL SIX hat sich SwissRG beim gemütlichen Espresso ausführlich mit den Müttern der beiden RG Superstars unterhalten. 

 

Milena Baldassarri kommt aus Ravenna in der schönen Emilia-Romagna aus einer gut situierten Familie. Ihre Eltern Luigi und Natalia (ehemalige Schwimmerin des russischen Olympia-Teams) fiebern oft bei den internationalen Wettkämpfen auf der Tribüne mit - der Vater stets mit seiner professionellen Fotokamera und die Mutter lautstark mit Thrillerpfeiffe und Fahnen.

 

Alexandra Agiurgiuculese kommt derweil aus wirtschaftlich schwachen Verhältnissen. Aufgewachsen ist sie in Rumänien. Ihr Vater Richard ging nach Italien, um dort zu arbeiten und seiner Frau Cristina sowie den gemeinsamen drei Kindern so ein besseres Leben zu ermöglichen. Ihre Eltern müssen nach wie vor jeden Euro zweimal umdrehen und sind froh, wenn sie mal eine Mitfahrgelegenheit zu einem Wettkampf haben. Sie sitzen auf der Tribüne jeweils völlig ruhig und unbemerkt mitten in den Zuschauern.

 

Gegenüber SwissRG verraten Natalia Choutova (Baldassarri) und Cristina Agiurgiuculese, die Mütter der beiden RG Superstars Milena und Alexandra, weitere Geheimnisse.  

Was gibt es jeweils leckeres zum Essen, wenn eure Töchter nach Hause kommen?

Natalia Choutova: „Wir gehen dann meistens in ein Restaurant, da ich keine allzu gute Köchin bin. Milena mag Piadina Romagnola und Cappeletti sehr gerne.“

Cristina Agiurgiuculese: „Ich koche für sie immer Fleisch oder Fisch – Alexandra liebt Garnelen!“

Wieviel Fanpost erhalten eure Tochter täglich/wöchentlich?

Natalia Choutova: „Es kommt schon sehr viel Fanpost für Milena. Manchmal kommt man kaum noch hinterher mit der Beantwortung. Die vielen Stofftiere haben mittlerweile schon ein eigenes Zimmer...“

Cristina Agiurgiuculese: „Es ist schön, wenn die Fans Alexandra dermassen unterstützen. Die ganzen Stofftiere haben wir in einem eigenen Regal schön aufgestellt.“

Hand aufs Herz: Gibt es auch etwas, womit euch eure Töchter auf die Palme bringen können…?

 

Natalia Choutova (lacht): „Hmm, eine schwierige Frage - was ich nicht mag, wenn Milena mir nicht antwortet, wenn ich ihr eine Textnachricht schreibe…“

Cristina Agiurgiuculese: „Da fällt mir spontan nichts ein. Wenn ich wütend bin, dann sage ich nichts - dann weiss Alexandra sofort Bescheid…“

Gerade auch wegen ihrer unterschiedlichen Biographie sind Milena Baldassarri und Alexandra Agiurgiuculese das, was sie heute sind: Zwei hervorragende Gymnastinnen, fantastische RG-Botschafterinnen (Vorbild von tausenden Mädchen) und interessante Persönlichkeiten.

Zwei bescheidene, bodenständige und höchst sympathische Superstars in der internationalen Rhythmischen Gymnastik, die eine ganze Nation von weiteren Erfolgen träumen lassen! 

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